Zur Hölle mit denen!Wie ruiniere ich gründlich und nachhaltig das Ansehen der Staatsform Repräsentativ-Demokratie, die Glaubwürdigkeit der gewählten Volksvertreter und das Vertrauen in die faire Ausübung der Gewaltenteilung? Teilnahmebedingung: Ausgeprägte Fähigkeiten zu Dünkel, Gleichgültigkeit und Selbstsucht.
Richtig, ich gebe der Generation Möwenpick freie Hand.
Schließlich kann nur die Befreiung von der sozialistischen Misswirtschaft des letzten Jahrzehnts durch die Freisetzung der individuellen Selbstverantwortung unser schönes Deutschland retten. Nur wenn jeder an sich selber denkt, ist wirklich an Alle gedacht. Oder?
Zum Beispiel im Gesundheitswesen:
Alt werden ist teuer. Wer sich das nicht leisten kann, muss ja nicht…
Gesundheitsminister Dr. Philipp Rösler (FDP) sagt dazu lapidar:
Irgendwann ist das Geld zu Ende. Da kann man nichts machen.
.
Das sagt immerhin ein ausgebildeter Arzt, der offensichtlich perfekt im Effizienzwahn sozialisiert ist, sich der Zielsetzungen seiner Etat-Verantwortung voll bewusst ist und weiß, dass solvente Pharmakonzerne wie Pfizer, Novartis oder Sanofi-Aventis einfach wichtiger für seine Partei sind als tausend demente Omis und Opas.
Es kommt eben darauf an, wo man sensibel ist, wenn's um's Geld geht:
Kaufen kann jeder - Dafür brauchen Sie nur GeldNachdem durch ein Versehen der Möwenpick-Partei Pläne zur Reform des Parlamentarismus vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangt sind, werden weitere Einzelheiten bekannt.
Wichtigste Neuerung ist die Zulassung des individuellen Sponsoring und der Trikotwerbung für Abgeordnete sowie unbegrenzten Bandenwerbung für alle im Parlament vertretenen Parteien.
Unrealistische Regeln und Verfahren zur Verhinderung oder Verfolgung angeblicher Vergehen wie Bestechung und Bestechlichkeit sollen endlich durch ein zeitgemäßes Anreiz- und Bewertungssystem für Abgeordnete ersetzt werden:
Je besser die Abgeordneten die Anliegen ihrer Sponsoren im Parlament vertreten, desto besser wird die Ausstattung und umso weniger Sorgen müssen sich die Parlamentarier um kostspielige Kampagnen zu Wiederwahl machen.
Die Bewertung der Leistungsfähigkeit des Parlamentes und jedes einzelnen Parlamentariers in regelmäßigen Ratings durch international anerkannte Agenturen soll die Investitionen der Sponsoren unter dem Motto Fordern und Fördern
auf nachvollziehbare Grundlagen stellen.
So kann im Rahmen von langfristigen PPP-Verträgen gesichert werden, dass die Finanzierung der erheblichen Kosten eines modernen Gesetzgebungsapparates übernommen wird. Zudem kann dadurch gewährleistet werden, dass von den Parlamentarierern nur volkswirtschaftlich sinnvolle Gesetzgebungsmaßnahmen z.B. im Steuer- oder Strafrecht vorgenommen und unproduktive Steuerausgaben vermieden werden.
Möwenpick-Vorsitzender Westerwave begründete diesen Vorstoß seiner Partei mit der Notwendigkeit, die internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen Parlamentarismus zu erhalten und verwies auf die jüngsten Entwicklungen in den USA, wo das unbegrenzte Sponsoring von Abgeordneten durch die Richter des Supreme Court ausdrücklich unter den Schutz der Meinungsfreiheit in der Verfassung gestellt worden sei.
30.01.2010: Ein Karikaturist in den USA hatte offensichtlich die gleichen Assoziationen wie Ihr Autor hier.
Mike Peters - Corporate Sponsored Senator
Weiterführende Angaben:
Justices, 5-4, Reject Corporate Spending Limit
Lobbyists Get Potent Weapon in Campaign Ruling
A Quest to End Spending Rules for Campaigns
truthout - 'Corporations Are Citizens - What Are We?'
Kommentare zu 'Corporations Are Citizens - What Are We?'
Das Prinzip der politischen Landschaftspflege
Unter den Kommentaren zu Dr. Mahatir Mohamads (ehemaliger Ministerpräsident von Malaysia) Blog-Beitrag über die Währungskrise 1997-98 in Südostasien habe ich diesen Eintrag von kuuleem vom 7. Januar, 2010 mit der folgenden, wundervollen Anekdote gefunden, den ich nicht vorenthalten möchte:
Once upon a time in a village in India(no offense), a man announced to the villagers that he would buy monkeys for $10. The villagers seeing there were many monkeys around, went out to the forest and started catching them.
The man bought thousands at $10, but, as the supply started to diminish, the villagers stopped their efforts. The man further announced that he would now buy at $20. This renewed the efforts of the villagers and they started catching monkeys again.
Soon the supply diminished even further and people started going back to their farms. The offer rate increased to $25 and the supply of monkeys became so little that it was an effort to even see a monkey, let alone catch it!
The man now announced that he would buy monkeys at $50! However, since he had to go to the city on some business, his assistant would now act as buyer, on his behalf.
In the absence of the man, the assistant told the villagers: 'Look at all these monkeys in the big cage that the man has collected. I will sell them to you at $35 and when he returns from the city, you can sell them back to him for $50.'
The villagers squeezed together their savings and bought all the monkeys.
Then they never saw the man or his assistant again, only monkeys everywhere!
Welcome to WALL STREET
Zunächst das Offensichtliche.
Einfach gestrickte Menschen irgendwo auf der Welt lassen sich von einem geschickten Betrüger einen Deal aufschwatzen, der sie ruiniert.
Soweit so banal.
Die besten Einblicke in die Psychologie, Strukturen und Abläufe von con games bietet immer noch
The Big Con
The Story of the Confidence Man.
ANCHOR, 07/1999 (Original 1940)
ISBN-10: 0-385-49538-2
ISBN-13: 9780385495387
Genauer betrachtet haben wir hier natürlich den klassischen Dreisprung eines con games vor uns:
Erst erfolgen Identifikation und Anködern des potentiellen Opfers durch eine Serie von scheinbaren Erfolgen,
dann die Durchführung des eigentlichen Betruges mit der Ernte des Geldes, wenn das Opfer willig genug ist, sich freiwillig ausnehmen zu lassen,
und schließlich das Verschwinden und Verwischen der Spuren.
Unsere Dorfbewohner sind the mark, das Opfer; sie machen sich für ein paar Dollar mehr beim Händler und seinem Assistent zum Affen und bleiben so auf der Leimrute von roper and insideman bei diesem rag kleben.
Analogien zu Betrugsfällen von Bernard Cornfeld
über Bernard Ebbers
bis zu Bernard L. Madoff
bieten sich wie von selbst an. (Warum heissen Anlagebetrüger eigentlich so gerne Bernie
?
Verwandelt schon der heimelige Name Bernie
die Investition Vertrauenswürdigkeit in Dividende tragende Vertrauenseligkeit?)
Unsere Anekdote offenbart aber auch eine ziemlich präzise Beschreibung des weltweiten Treibens der heute herrschenden ökonomischen Lehre mit all ihren Folgen.
Dominiert zunächst die Produktion von Gebrauchswerten die Ökonomie unseres Dorfes, so zieht mit der Ankunft des Affenhändlers eine neue Variante der Marktwirtschaft ein: Die Möglichkeit, aus dem Handel mit Objekten ohne erkennbaren Gebrauchswert Gewinne zu erzielen.
Verführt von der Erwartung (und später dann der Notwendigkeit) immer höherer Renditen wenden sich die Ökonomien vom Gebrauchswert ab und dem Tauschwert zu,- in unserem Dorf weg von Handwerk und Landbau hin zum Affenfang. Und zunächst scheint doch auch alles, den Gesetzen von Nachfrage und Angebot folgend, wunderbar zu klappen: Sinkt das Angebot, steigen die Preise und kurbeln die Innovationen im Affenfang an, bis die Ökonomie wieder genug Affen zur Befriedigung der Nachfrage produziert.
Woher die Nachfrage gerade nach den Affen sich begründet, interessiert niemanden. Schließlich steigt der Preis für gefangene Affen (die Renditen für Kapitalanlagen), je schwieriger es wird, bei konstanter Nachfrage nach Affen diese Nachfrage durch Angebot zu befriedigen. Anscheinend handelt es sich für alle um eine win-win Situation. Ja, es scheint sogar sinnvoll zu sein, die Produktion für die Subsistenz und den Markt zugunsten der Affen zu vernachlässigen oder gar aufzugeben.
Als dann auf dem Höhepunkt der Entwicklung alle Marktteilnehmer in Erwartung todsicherer Renditen alle ihre Vermögenswerte in die Waagschale werfen, bricht ihre Wunschwelt in sich zusammen. Sie werden betrogen und haben nicht nur ihre erträumten Profite gegen Affen (Versprechen ohne Wert) getauscht, sondern im Extremfall sich durch die lange Vernachlässigung ihrer traditionellen Produktion vielleicht sogar ihrer Subsistenzbasis oder wichtiger Anteile ihrer Infrastruktur beraubt.
Die allenthalben gebotenen Ausblicke der Finanzauguren zur Jahreswende bieten ja im Wesentlichen das gleiche Bild:
Die größten Gefahren gehen nach wie vor von der globalen Finanwirtschaft aus. Die Kreditkontraktion frisst sich weiter durch die globale Wirtschaft. Alle Beschäftigten, die nicht in diesem Segment ihr Einkommen finden können, müssen sich mindestens auf weitere Einschnitte, wenn nicht gar Verlust des Einkommens einstellen. Bezieher von staatlich "garantierten" Leistungen wie Pensionen oder von Leistungen aus Renten-, Kranken- oder Arbeitslosenver"sicher"ungen, müssen sich auf weitere Leistungskürzungen und -verweigerungen einstellen.[1]
Und warum?
Weil, wie die Autoren von Moody's in ihrem Ausblick so schön schreiben, Staaten eher bereit sein werden, ihre sozialen Verpflichtungen (sprich Kosten) den Bach runter gehen zu lassen, als ihre Ratings als Kreditnehmer (sprich Einnahmen aus Verschuldung) zu gefährden.
Der Gesamtstaat reicht den Druck dann halt an die Länder weiter, die Länder an die Kommunen und alle zusammen an die schrumpfende Zahl der abhängig beschäftigten Steuerzahler und die wachsende Zahl all derer, die auf Unterstützungsleistungen angewiesen sind.
Alles in Allem wird also der Druck aus den kollabierenden Kreditverpflichtungen der (ehemals) privaten Geldinstitute, nun verlagert auf die öffentlichen Haushalte, weiter zunehmen.
Da trifft es sich doch auf das Schönste, dass die vielen privatwirtschaftlichen Geldindstitute,
die bei ihrer fiebrigen Reise nach Jerusalem
rund um den Globus keinen Stuhl mehr abbekommen hatten
und von der sonst so verteufelten Öffentlichen Hand helfende Steuergelder hatten annehmen müssen,
tatsächlich auch vom reichlich sprudelnden Geld wirklich echter, gemachter Geschäftsleute aus aller Welt im Spiel gehalten werden.[2]
Man kann nur hoffen, dass auch in diesem Fall die guten alten Bräuche des Incasso-Gewerbes in Ehren gehalten werden.
Tatsache ist jedoch auch, dass die rührige Bankwelt nach wie vor weltweit kommunale Kämmerer
mit so vertrauenserweckenden Innovationen wie synthetic fixed rate
,
FIRST-Swaps,
SWAPS
und ähnlichem OTC-Giftmüll
zu Geschäften zu verführen sucht.[3]
Gleichzeitig werden in wachsendem Maße Geschäftskredite an Unternehmen verweigert.
Im Endeffekt wird das dann darauf hinauslaufen, dass die aus Steuergeldern alimentierten Banken mithilfe ebendieser Steuergelder öffentliches Eigentum an Infrastruktur wie Verkehr oder Energie- und Wasserversorgung ebenso wie ganze Industriebranchen billigst aufkaufen werden.
Wer jetzt an die Entstehung von Leibeigenschaften und Revolten denkt, liegt bestimmt nicht ganz falsch,
schließlich warnen auch die diversen Reports der volkswirtschaftlichen Abteilungen unserer Banken,
(sicher nicht ohne eigeninteressierte Hintergedanken), mit schöner Regelmäßigkeit vor social unrest
sprich Unruhen.
Allerdings ist zu bedenken,
Die Aufständischen stürmen die Hauptstadt und die Paläste der dekadenten Oberschicht,
plündern deren Schätze, werfen die Akten mit den unterdrückerischen Verträgen aus dem Fenster und ins Feuer,
hängen die bestgehassten Verkörperungen des alten Regimes sowie Geldverleiher und Anwälte an die Laternen,-
und ziehen wieder heim zu Weib und Kind.
Das gute alte Recht ist wiederhergestellt…
Das war nach dem Ersten Weltkrieg noch so, und in Ansätzen sogar noch nach dem Zweiten.
Geldverleiher und Anwälte plündern die Bevölkerung aus,
die noch nicht Ausgeplünderten applaudieren begeistert
und werfen den Plünderern noch ihre letzten Schätze hinterher.
Niedere Instinkte und Eigensucht werden zur Notwendigkeit und zur höchsten Tugend erhoben,
zwei Drittel der Bevölkerung werden zu Freiwild erklärt,
garantierte Rechte und Ansprüche fliegen aus dem Fenster, wer widerspricht, landet an der Laterne, und
Weib und Kind werden in die Sklaverei verkauft.
Very large public debt and low economic vitality will
prompt unprecedented questions about how governments can discharge their obligations without changing the rules of the game. […]
A very important long-term question is: […] could very rich countries default on their debt?[…]
One way of looking at this is to realize that governments are more willing to default on social obligations - such as changing the retirement age - than on financial obligations.
Quelle: Leider nicht Moody's im Original [Outlook 2010] Moody's sees sovereign states a-suffering von Tracy Alloway bei FT Alphaville vom 15. Dezember 2009, außerdem auch Testing the AAA boundaries .
[2] Antonio Maria Costa, head of the UN Office on Drugs and Crime,
said he has seen evidence that the proceeds of organised crime were "the only liquid investment capital"
available to some banks on the brink of collapse last year. He said that a majority of the $352bn (£216bn) of drugs profits
was absorbed into the economic system as a result.
Quelle: Antonio Maria Costa, Sprecher des UNDOC (UN Office on Drugs and Crime) laut Bericht im Guardian vom 13. Dezember 2009.
Damit wir uns eine Meinung bilden können, auf welchen Grundlagen sich die Vertreter der Öffentlichen Hand ihre Meinung bilden sollen, hier noch ein
[3] Bildungsangebot der Finanzgruppe Deutscher Sparkassen- und Giroverband
Kommunales Zins- und Schuldenmanagement
für Beschäftigte der öffentlichen Hand -
Von Praktikern für Praktiker
und hier die Musterpräsention zum downloaden.
Worauf Menschen mit Verantwortung, aber ohne ausreichende Kompetenz sich so einlassen, ist ausreichend dokumentiert. Einige Beispiele:
Swap
Kein Zurück aus dem Zinstauschgeschäft
Kämmerer pokern um verlorenes Geld
Swaps Nightmares Become Real