Eine kleine Zahlenmeditation:

Ölkonsum, Wohlstand und Populationsdynamik

Ausgewählte Populationsdaten 18 exemplarischer Staaten
nach CIA World Factbook 2008.
Größe Staat Einwohnerzahl Median
Alter
Ölkonsum
in Mio bbl/Tag
GDP/Kopf (*)
in 1000 USD
(*) Natürlich wären Daten zur Dynamik des Alters-Median, zum jährlichen Wachstum der Relation Bruttosozialprodukt pro Kopf und zum prozentualen Anteil der Einkommens-Schichten am Bruttosozialprodukt viel aussagefähiger gewesen,- aber darüber schweigt sich das factbook erstmal aus. (Mit viel Geduld kann man das alles aus den zurückliegenden Jahrgängen und den diversen UNDP-Reports heraus destillieren.)
6 Pakistan 167.762.040 21,2 0,35 2,71
19 Saudi Arabien 28.161.417 21,5 2,00 23,2
10 Philippinen 92,681,453 23 0,34 3,4
17 Südafrika 43,786,115 24,5 0,52 9,8
2 Indien 1.147.995.898 25,1 2,44 2,7
9 Mexiko 109,955,400 26 2,08 12,8
13 Iran 65,875,223 26,4 1,63 10,6
4 Indonesien 237.512.355 27,2 1,10 3,7
5 Brasilien 191.908.598 29 2,10 9,7
12 Türkei 71.892.807 29 0,66 12,9
1 China 1.330.044.605 33,6 6,93 11,4
3 USA 303.824.646 36,6 20,80 45,8
7 Russland 140.702.094 38,3 2,92 14,7
14 Frankreich 64,057,790 39,2 1,99 33,2
15 GB 60.943.912 39,9 1,82 35,1
18 Spanien 40.491.051 40,7 1,60 30,1
16 Italien 58.145.321 42,9 1,73 30,4
11 Deutschland 82.369.548 43,4 2,62 34,2
8 Japan 127.288.419 43,8 5,35 33,6

Alters-Median gegen Resourcenbedarf und ökonomische Größe des Landes läßt die prominenten Plätze mancher Länder in den Nachrichten in anderem Licht sehen. Konflikte zeichnen sich ab mit Potenzen der Zukunft. Der Geleitzug der Industrienationen fährt unaufhaltsam auf Untiefen der Sozialversorgungssysteme zu. Die youth-bulge Mythe arbeitet weiter ihren Weg durch die Feindbildprojektoren.

Demografie und Demokratie

Die Globalisierung der Demografie und die Folgen

Alle Industrienationen ausser den USA mit ihrer kontinuierlich starken Immigration sehen sich mit den Folgen des demografischen Paradoxons konfrontiert:

Obwohl Wohlstand, medizinische Versorgung und die allgemeine Lebenserwartung sich seit Jahrzehnten kontinuierlich verbessern, fällt die Reproduktionsrate auf immer tiefere Werte unterhalb des Reproduktionsoptimums:

Größerer Anteil am gestiegenen Bildungsniveau, allmähliche Annäherung an die gesellschaftliche Gleichberechtigung und die Möglichkeit zur Verwirklchung individueller Lebensentwürfe ermöglichen es immer mehr Frauen in den industrialisierten Gesellschaften, sich von sozialen Klischees zu lösen und das Gebären von Kindern zum Ergebnis einer persönlichen Entscheidung für das Kind zu machen.

In der Folge dieser globalen Tendenz steigt das durchschnittliche Mutterschaftsalter und die Zahl der Mütter sinkt. Was wiederum die Anzahl zukünftig möglicher Mütter senkt.

Die Bevölkerungspyramide dreht sich allmählich um.

Sieht man von möglicher Einwanderung ab, treten mehrere Effekte gleichzeitig auf:

  • Die Bevölkerungszahlen der meisten Industrienationen werden mittel- und langfristig schrumpfen (innerhalb der nächsten 50 Jahre um bis zu 50%)
  • Der Altersdurchschnitt der resultierenden Bevölkerungen wird kontinuierlich ansteigen (der Anteil der über 50jährigen steigt auf über 50%)
  • Die Familienstrukturen der Bevölkerungen werden sich signifikant unter die Größe der Kernfamilie verkürzen (Single-Haushalte bzw. 1-Kind-Familien ohne Mutter-/Vaterbrüder oder -schwestern)

Aus diesen demografischen Vorgängen, die ja schon für sich gesehen Veränderungen der Lebensweise und -haltung mit sich bringen, ergeben sich weitergehende Konsequenzen, die sich als Krisenszenarien beschreiben lassen:

Die Bevölkerungen der Industrienationen werden mittel- und langfristig schrumpfen, im Durchschnitt immer älter und die Versorgungssysteme auf Umlagebasis werden an die Grenze der Leistungsfähigkeit kommen. Der soziale Friede und die Rechtsordnungen sind gefährdet.

  • Die Grundannahmen zur Verteilungsgerechtigkeit von Arbeit und Einkommen werden hinfällig
  • Die bisher praktizierten sozialen Sicherungssysteme werden unsicher oder hinfällig
  • Traditionelle Grundannahmen zur Bevölkerungszusammensetzung müssen überprüft werden
  • Soziales Netzwerken kann in der Breite nicht länger auf Familienstrukturen aufbauen, sondern stützt sich auf freiwillige Zusammenschlüsse und/oder Vertragsverhältnisse
  • Die Diskrepanz zwischen gefühlter Sicherheit und statistisch messbarer Sicherheit wird wachsen.

Die denkbaren Krisenszenarien bieten sich zur politischen und/oder medialen Ausbeutung durch angstgeführte Kampagnen geradezu an. Parallel zu unserem eigenen, steigenden Lebensalter (mit dem Wunsch nach einer gewissen Beruhigung der Lebenssituation und nach materieller Sicherheit) werden sich

  • die materiellen Belastungen (Sozialversicherung & Privatvorsorge) zur Befriedigung gerade dieser Wünsche erheblich erhöhen und
  • die sozialen und kulturellen Alltags-Konfliktpotentiale in dieser unserer persönlichen Lebensetappe u.a. auch durch die Problematiken der Demografie & der Migration vervielfältigen
  • Gleichzeitig läßt sich feststellen, daß gerade die private materielle Absicherung des Lebensabends durch die Krise an den Finanzmärkten massiv unter Druck geraten wird, etliche Versicherungssysteme möglicherweise ganz verschwinden werden.
  • Je nach Ausmaß der Krisenentwicklungen ist auch ein kompletter Ausfall der privaten und öffentlichen Vorsorgeleistungen möglich
  • Das Risiko steigt, daß alle Fürsorge- und Vorsorgesysteme versagen, egal ob staatlich gestützt oder privatwirtschaftlich!

„und das demographische Defizit wird im 21. Jahrhundert noch dramatisch zunehmen.“

Herwig Birg

und

  • Jahnke, Joachim
    Falsch globalisiert.
    30 Schlaglichter auf die neoliberale Wirtschaftskonzeption. Hamburg 2006
  • Leuschel, Roland u. Vogt, Claus
    Das Greenspan Dossier
    Alan und seine Jünger: Die Bilanz einer Ära. München 2006
  • Martin, Hans-Peter u. Schumann, Harald
    Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohl-stand. Hamburg 1997.
  • von Mises, Ludwig
    Human Action. A Treatise on Economics. Fourth Edition. Sa Francisco 1996.
  • Prechter, Robert R. Jr.
    CONQUER the CRASH. You can survive and prosper in a deflationary Depression. Chichester 2002
  • Rothbard, Murray Newton
    Das Schein-Geld-System. Wie der Staat unser Geld zerstört. Gräfelfing 2000. (What has Government done to our Money? Auburn 1990).
  • Rothbard, Murray Newton
    America's Great Depression. Fifth Edition. Auburn 2000.
  • Rothbard, Murray Newton
    THE PANIC OF 1819. Reactions and Policies. Second Edition. Auburn 2002.
  • Weiss, Martin D.
    The Ultimate Safe Money Guide. How everone 50 and over can protect, save, and grow their money. New York 2002
  • Yergin, Daniel u. Stanislaw, Joseph
    Staat oder Markt. DIe Schlüsselfrage unserer Zeit. München 2001. (New York 1998).


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