Das glaube ich, das stand im Internet!
Bargeldzahlungen aller Art in Griechenland werden bei Beträgen größer als 1.500 € ab dem 1. Januar 2011 für ungültig erklärt.
Seit Anfang Februar 2010 arbeitet sich diese Information über den griechischen Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung der aktuellen Verschuldungslage ihren Weg durch das Netz. Bei ihren Stops in diversen Blogs und Foren erfährt die zunächst recht trocken gehaltene Nachricht einige ausgesprochen interessante Transformationen.
Der griechische Maßnahmenkatalog, nicht ohne Druck von außen zustande gekommen, umfasst Veränderungen bei der Besteuerung, bei den Renten und Pensionen, bei Löhnen und Gehältern und, besonders brisant, beim Geldumlauf.
Die Meldung vom 9. Februar auf reuters.com
referiert aus den Bemerkungen des griechischen Finanzministers, z.B.:
From 1. Jan. 2011, every transaction above 1,500 euros between natural persons and businesses, or between businesses, will not be considered legal if it is done in cash. Transactions will have to be done through debit or credit cards
.
Es heißt zwar zu Beginn
The following are comments by Greek Finance Minister George Papaconstantinou at a press conference
,
aber, sind die Zitate Ausschnitte aus der wörtlichen Rede oder die vollständige Wiedergabe, sind sie aus dem ausgehändigten Pressetext?
Wir erfahren es nicht. Ob die Quellenlage für Zahlkunden besser gestaltet ist, entzieht sich der Kenntnis dieses Autors.
Natürlich enthält die Meldung bei Reuters noch weitere wichtige Maßnahmen, wie
Deposits in banks outside Greece are exempted from audits of their origin if they are repatriated within six months of the passing of the tax bill and are taxed with a 5 percent rate
There's tax relief for incomes up to 40,000 (euros)
Taxable income based on the new scales will include capital gains from the short-term trading of stocks
The wage cuts will begin from 18 euros a month, reaching 345 euros a month for court officials. In percentages, it will be between 1 and 5.5 percent
There will be no wage increase for the prime minister and ministers and their allowances will be cut by 10 percent
Public sector pensions will increase by 1.5 percent, except those above 2,000 euros a month
Allerdings schaffen es die meisten dieser anderen dort aufgezählten Maßnahmen nicht, genügend Erregungspotential zu signalisieren, das eine mediale Verarbeitung rechtfertigen könnte. Überhaupt ist die mediale Reaktion auf diese doch nicht gerade harmlosen Eingriffe in das griechische Gemeinwesen doch eher mickrig.
Weder im deutsch- noch im englischsprachigen Web sind im unmittelbaren zeitlichen Anschluss bemerkenswerte Reaktionen zu ergooglen. Erst mit der Bearbeitung der Meldung (mit durchaus sichtbarer Agenda) durch MMNews am 15. Februar 2010 bzw. bei International Business Times Deutschland am 16. Februar 2010 kommt etwas Bewegung in die Sache.
Blogs und Foren springen anscheinend erst jetzt auf und nahezu alle ergoogelten Blog- oder Foreneinträge im deutschsprachigen Web, die auf Inhalt gecheckt wurden, bedienen sich vorzugsweise hier.
Und nun findet die Geschichte wohl auch ihre Zuspitzung auf die Bargeld-Frage und ihre Einbettung in die Thematik der Neuen Weltordnung (NWO). Man nehme:
Fertig ist das mediale Gebräu, das sogar die für ihre akribische Faktenrecherche bekannte Bildzeitung online servieren möchte. Hier reduzieren sich die Fakten endlich auf eine überschaubare Anzahl:
Danach wird es sehr bunt. Eine im ersten Satz sachlich referierte Meldung ruft schließlich nach Farbe:
Bericht:
So muss ab 1. Januar 2011 JEDE Zahlung von mehr als 1500 Euro elektronisch, also per EC- oder Kreditkarte, abgewickelt werden.
Farbe:
Zuwiderhandlungen werden drakonisch bestraft.
Bericht:
Zudem sollen die Griechen ihre Auslandskonten offenlegen. Sechs Monate haben sie dafür Zeit.
Farbe:
Wer später erwischt wird, muss damit rechnen, dass sein Vermögen eingezogen wird.
Es folgen ausgesprochen lebhafte Beschreibungen der Opfer (mit Foto: Pleite-Griechen) und der Verursacher (mit Foto: Der Spekulant) der internationalen Finanzkrise. Wer's nicht glaubt, wird 2011 mit griechischen Barzahlungen über 1.500 € bedacht.
Bei allen Unterhaltungswerten, die hier den Schilderungen der Auswirkungen einer scheinbar nationalen Währungskrise
wider besseres Wissen durch die Medienproduzenten abgerungen werden, darf doch eines nicht vergessen werden:
Die Finanzkrise ist real und lebt.
Ihr Kern besteht aus der deflationäre Kreditkontraktion, gegen die inflationäre Geldmengenvermehrung ins Feld geführt wird, was beschleunigende globale Asset-Umschichtungen (Blasen) begünstigt und zu nominal steigenden, real sinkenden Renditen bei steigendem Ausfall-Risiko führt.
Die Vorgänge und Größenordnungen, um die es hier geht, in die Sprache der Unterhaltungsmedien übersetzt,
lassen sich so ausdrücken:
Hier sind Kopfgeldjäger zugange, die sich ihre Zerstörungs- und Raubzüge schon vorweg von ihren Opfern bezahlen lassen.
Die Finanzierung der Spekulationen gegen die Kaskade der schwächelnden Währungen wird aus den Mitteln der großen und kleinen Zentralbanken bestritten.
Anstatt wie gewünscht ihren Weg als nachhaltige Investitionen in individuelle Volkswirtschaften zu nehmen,- und durch die Investitionseffekte sukzessive die nationalen Politiker von den Albträumen der Verschuldung, der Dauerarbeitslosigkeit und der Rentenfinanzierung wieder zu befreien, die das leichte Geld ja gerade mit erschaffen hat -, streben die Flüsse der diversen Bail-Outs und des Quantitative Easing unmittelbar in den Ozean der Finanzoperationen, wo wesentlich höhere Renditen erzielt werden können, als in den traditionellen Bereichen der Volkswirtschaft.
Ausnahmslos alle Währungen müssen dabei am Abwertungswettkampf teilnehmen, solange am FIAT-Paradigma festgehalten wird.
Die enge globale Verflechtung und Finanzinstrumente wie die Credit Default Swaps begünstigen die Exposition all der Währungen/Volkswirtschaften, die durch ein stetig ungünstiger werdendes Verhältnis zwischen Kreditaufnahme (Neuverschuldung) und Steueraufkommen (Wachstum des Bruttoinlandsprodukts) gefährdet sind. Doch genau diese Verflechtungen und Finanzinstrumente waren ursprünglich für einen Schutzmechanismus gehalten worden.
Was der griechische Finanzminister seinen Landsleuten da zumutet, ist also nur ein Vorgeschmack auf das, was den Menschen aller hochindustrialisierten Ländern mit voll entwickelter Finanzwirtschaft blüht, die dazu gezwungen sein werden, im Lande zu bleiben und sich redlich zu ernähren.
Protect Yourself!
HIGHLIGHTS-Greek FinMin unveils tax reform, wage policy
ATHENS, Feb 9 (Reuters)
Griechenland verbietet Bargeld-Geschäfte
Von Michael Mross
Monday, 15. February 2010
Griechenland verbietet Bargeld-Geschäfte
Von Michael Mross
16. Februar 2010, 09:40 CET
Bargeld-Verbot für Pleite-Griechen
Bild.de - 25.02.2010 - 16:24h
01.03.2010
EU zwingt Griechenland zur Radikal-Sparkur
Die Regierung hat der EU bereits zugesagt, das Rentenalter anzuheben,
die Beamtenbezüge zu kürzen und die Verbrauchssteuern zu erhöhen.
Das ist alles, was der geneigte Leser aus der Spiegel online Ausgabe vom 01.03.2010 erfährt.
Die doch nicht gerade unerhebliche Sache mit dem Bargeld findet sich mit keinem Wort erwähnt.
Die Schlagworte zur Meldung ergeben in etwa Ergebnisse wie diese beispielhaften Suchläufe:
Stichworte:limit 1.500 Euro Papaconstantinou
ungefähr 3.040 Ergebnisse
Stichworte:Bargeld-Verbot Griechenland
ungefähr 59.900 Ergebnisse
Stichworte:greek tax reform 2011
ungefähr 62.100 Ergebnisse
der die Vorgänge um den Club Med
mit Genugtuung kommentiert und immer ein spitzes Wort für die Rolle Deutschlands findet...
Ambrose Evans-Pritchard - Finance and business comments - Telegraph
Ambrose Evans-Pritchard has covered world politics and economics for a quarter
century, based in Europe, the US, and Latin America. He joined the Telegraph
in 1991, serving as Washington correspondent and later Europe correspondent
in Brussels. He is now International Business Editor in London.