In seinem Blog weist Craig Murray auf Berlusconis schmutzige Taktik hin, die Hysterie gegen die nordafrikanischen Flüchtlinge zugunsten einer längstmöglichen Stützung des Gaddafi-Regimes durch die Europäer zu benutzen. Dabei gehe es nicht nur um deren hehre geopolitische Sicherheitsinteressen, sondern auch ganz konkret um Berlusconis Provisionsanteil beim Import von libyschem Öl. Italien importiert nach Al Jazeera immerhin 32% der libyschen Ölproduktion, Deutschland 14%, Frankreich 10% und das übrige Europa 23%. Da ist Libyen inzwischen als Öl-Lieferant wichtiger geworden als Saudi Arabien. Das europäische Interesse, Gaddafi oder seinesgleichen so lang als möglich zu stützen, dürfte also nicht unerheblich sein.- ungeachtet aller Lippenbekenntnisse zu Freiheit und Demokratie. Da macht das medienwirksame Gefuchtel von Italiens Außenminister Franco Frattini mit einem „biblischen Exodus “ von mindestens 200.000 bis 300.000 Flüchtlingen
durchaus Sinn.
A very senior diplomatic source told me yesterday that Berlusconi is frantic lest Gadaffi falls and the channels are revealed by which Berlusconi gets a cut on the huge amounts of Libyan oil and gas lifted to Italy. Just at the moment that would be too much even for Berlusconi to survive.
This morning I see the Italian foreign minister is warning 300.000 Libyan refugees will fly to Europe if Gadaffi falls - as though there will be none if he stays. I have checked with other diplomatic sources, and they confirm that Italy is using the refugee warning to argue that Europe should back Gadaffi, and not impose sanctions. That point is not coming over in the mainstream media.
Der zweite Februar erlebt gerade den Umschlag friedlicher Massenproteste in Ägypten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die nach Augenzeugenberichten anscheinend gezielt von regierungsfreundlichen Kräften geschürt werden:
Members of security forces dressed in plain clothes and a number of thugs have stormed Tahrir Square
(Al Jazeera.net)
Konnte man zur tunesischen Entwicklung den internationalen Medien überwiegend freundliche bis enthusiastische Berichte und Kommentare entnehmen, so hat sich das Bild stark verändert, seit die Proteste in Ägypten die Schlagzeilen bestimmen.
Die möglichen Motive, warum sich US und Verbündete mit der Begeisterung für die Veränderungen der ägyptischen Machtverhältnisse wesentlich schwerer tun als mit den Lippenbekenntnissen zum Machtwechsel in Tunesien, sind sicher gemischt wie immer.
Israels Bedürfnisse und Sicherheitsinteressen liegen klar auf der Hand, aber auch in Berlin, London oder Washington wird man sich nicht wirklich wünschen, dass die Macht im Staat Ägypten nach den Wünschen der Volksmassen neu verteilt wird. Zu nützlich war die ägyptische Rolle bisher und zu groß ist die Sorge nun, es könnte anstelle rhetorischer Bekenntnisse von oben auf einmal tatsächlich das ägyptische Volk erfolgreich versuchen, sich Demokratie und Freiheit selbst zu erobern.
Entsprechend zurückhaltend waren bisher die offiziellen Kommentare zum möglichen Abtreten Mubaraks oder gar seines Regimes. Offensichtlich steht hier mehr auf dem Spiel als in Tunesien: Ägypten als Moderator zwischen den arabischen Staaten und Israel, seine Rolle als go-between bei inoffiziellen Verhandlungen, die engen militärischen, polizeilichen und geheimdienstlichen Kooperationen liegen den US, Israel und der EU naturgemäß sehr am Herzen. Auch die bisherigen ägyptischen Partner werden sich nur sehr ungern von den damit verbundenen Mittelflüssen trennen wollen. Da ist es nachvollziehbar, wenn bei Veröffentlichungen zu möglichen Alternativen das altgediente Schreckgespenst Muslimbrüderschaft aus dem Schrank geholt wird, vor dem nur die Vertreter des status quo die Welt retten können.
Völlig jenseits von Gut und Böse ist aber das Angstszenario, das der britische Telegraph seinen Lesern anlässlich der Entwicklung in Ägypten am 02.02.2011 auftischt. Die Berichterstattung über Ägypten wird mit einer an den Haaren herbeigezogenen nuklearen Gefährdung durch islamistische Terroristen kombiniert. Auf der Titelseite der online-Ausgabevom 02.02.2011 finden sich prominentest und exclusive
plaziert 4 Berichte über angebliche nukleare Bedrohungen durch Terroristen, 5 Berichte zum Anschlag vom 11.9.2001, ein weiterer zu bin Laden und rechts daneben dann doch noch 3 Berichte über die Vorgänge in Ägypten.
Dass der Telegraph eine politisch konservative Zeitung ist, ist bekannt. Aber dass sich die Redaktion zu so plattem Chauvinismus und Rassismus gepaart mit plumper Stimmungsmache hergibt, ist schon frappierend. Gar nicht frappierend ist allerdings, mit welcher Unverfrorenheit angebliche Enthüllungen aus dem Fundus von WikiLeaks hier zur Desinformation herhalten.

Inzwischen ist dieser Sirenengesang von der angeblich durch Terroristen permanent bedrohten Sicherheit ja schon zur erwartbaren Begleitmusik geworden. Die stumpft ab und lässt uns Dinge als normal erscheinen, die uns eigentlich zutiefst empören sollten: z.B. die immer wiederkehrenden Anläufe der Regierenden, mithilfe dieses Mittels Bürgerfreiheiten einzuschränken und die verfassungsgemäße Trennung der Gewalten auszuhebeln.
Der Teaser zur zweiten Überschrift auf diesem Ausriss von der Index-Seite vom 23. 11. 2010 bei Spiegel online sollte deswegen auch ehrlicher lauten Was unsere Verfassung wirklich wert ist
.
Besieht man sich die Liste der Interessengruppen, die da aus ganz und gar uneigennützigen Gründen die Vermischung von Polizei, Militär und Nachrichtendiensten fordern, muss man zu dem Schluss kommen: Nichts.
In Bezug auf den Entwicklungsweg einer Bürgerarmee zu einem Berufsmilitär sind wir durch die britischen und amerikanischen Erfahrungen bestens im Bilde. Und auch über die ökonomischen Interessengeflechte, die sich um eine solcherart reformierte
Bundeswehr scharen. Ist hier gar schon das Stühlerücken ungeduldiger Lobbyisten zu vernehmen?
Und noch ein Gedanke kommt auf. Menschen, die wachsam von Anschlagsdrohung zu Anschlagsdrohung misstraisch jeden auffälligen Fremdling beäugen und brav jede verdächtige Veränderung ihres Umfeldes der Obrigkeit melden, sind keine Menschen, die man als Urheber aufrührerischer Unruhe fürchten müsste. Das Zermahlen einer ganzen Gesellschaftsschicht, der sogenannten Mittelschicht, im Mælstrom der globalen Neuordnung kann ungestört weitergehen, Finanzkrise hin oder her.
Heribert Prantls Kommentar zu De Maizières Masterplan: Die Bundessuperpolizei, seine verfassungsrechtlichen Einwände und die wohl realistische Einschätzung des bisher gewählten verfahrenstechnischen Weges bilden einen der wenigen Lichtblicke in der veröffentlichten Meinung zu diesem Thema.
Den klugen Köpfen und eifrigen Torwächtern, die den sonstigen medialen Großmächten ihre Stimmen geben, scheinen solche Sorgen um die Dehnungsübungen der Bundes-Innenminister mit dem Grundgesetz eher fremd zu sein. Da bekommt man lieber feuchte Hände beim endlosen Ausschlachten der WikiLeaks-Affäre.
Erika Mann (1905-1969)
Ich bin der Prinz vom Lügenland,
Ich lüg', dass sich die Eichen biegen -
Du lieber Gott, wie kann ich lügen,
Lüg' alle Lügner an die Wand.
Ich lüge so erfindungsreich
Das Blau herunter von den Himmeln.
Seht Ihr die Luft vom Lügen wimmeln?
Es weht der Wind vom Lügenteich.Der liebe Sommer naht sich jetzt,
Schon sprießen Knospen an den Bäumen,
Lieb Veilchen gelb die Wiesen säumen,
Im Kriege ward kein Mann verletzt.Ha, ha! Ihr glaubt's, ich merk' es ja.
Ich kann in Euren Mienen lesen.
Obwohl es lügenhaft gewesen,
Steht es vor Euch wie Wahrheit da.
Lügen ist schön,
Lügen ist gut,
Lügen bringt Glück,
Lügen schafft Mut,
Lügen haben hübsche lange Beine.
Lügen macht reich,
Lügen sind fein,
Wirken wie wahr,
Waschen dich rein,
Gehn wie Hündlein folgsam an der Leine.Bei mir daheim im Lügenland
Darf keiner mehr die Wahrheit reden,
Ein buntes Netz von Lügenfäden
Hält unser großes Reich umspannt.Bei uns ist's hübsch, wir haben's gut,
Wir dürfen unsre Feinde morden.
Verleih’n uns selbst die höchsten Orden
Voll Lügenglanz und Lügenmut.Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht,
Wer immer lügt, dem wird man glauben.
Zum Schluss lässt sich's die Welt nicht rauben,
Dass er nichts als die Wahrheit spricht.Ein Prinz bin ich aus Lügenland,
Ich misch' das Gift, ich schür' den Brand,
Nur so schütz' ich mein Reich vor Kriegen.
Wer mir nicht glaubt, den straf' ich Lügen,
Ich selbst, der Prinz vom Lügenland!
Aus einem Programm des Cabaret 'Die Pfeffermühle' im schweizer Exil. Abgedruckt z.B. bei Lutz Görner.
Immerhin sind seitdem ja schon 77 Jahre verflossen; wir dürfen uns also richtig was drauf einbilden, was wir seitdem geschafft haben...
Middle East tension 'could lead to nuclear war'
man beachte den Konjunktiv...
Al-Qaeda 'planning dirty bomb'
Terrorists plan 'teddy bear bombs'
WikiLeaks: did al-Qaeda plot a fifth 9/11 attack?
Vergleiche die Darstellung der Physiognomie bin Ladens mit der auf dem Filmplakat des antisemitischen Propagandafilmes "Jud Süss". Jede Ähnlichkeit ist rein zufällig.
Angst und Unwissenheit sind nach wie vor die zentralen Rohstoffe zur Produktion von freiwilligem Gehorsam in Machtlosigkeit.
Spiegel online vom 23.11.2010, 9:12h
Kriminalbeamte verlangen Hilfe der Bundeswehr
Alarm in Deutschland: Was Terrorwarnungen wirklich wert sind
Aus dem Blog von Gonzalo Lira, 21.11.2010. A Full Body Scan of American Corruption
Aus dem Blog von Craig Murray:
The Stew of Corruption