Ereignisse im Frühjahr 2008 haben Schlaglichter auf einen Prozess geworfen, der weitgehend außerhalb der Aufmerksamkeit und Einflußmöglichkeit der Öffentlichkeit abläuft. Zug um Zug erobern sich Interessengruppen und Personen unkontrollierten Zugriff auf das Entscheidungsgefüge unserer parlamentarischen Repräsentativ-Demokratie. Sie sind dazu durch nichts legitimiert als die Tatsache, dass sie sich diese Machtpositionen eben erobert haben.
Vorgänge um die Geheimdienste, wie die jüngsten widerrechtlichen Bespitzelungen von Journalisten und die dann unterbliebene Information an die parlamentarischen Kontrollinstanzen, lassen kurz aufscheinen, was man sich sonst bloß denken kann:
Dass im Umfeld der verdeckt operierenden Exekutive demokratisch legitimierte Vorgehensweisen nur dann
bedient werden, wenn es opportun erscheint.
So ist es angeblich zur Gefahrenabwehr im Kampf gegen den Terrorismus notwendig.
BND-Spitzelaffäre
Sie wussten, was sie taten
Schaut man sich die Arbeit im Parlament an, offenbart sich, dass die gewählten Volksvertreter in Sachen
demokratisches Grundverständnis auch nicht viel besser dran sind, als die von ihnen zu kontrollierende Exekutive:
Da arbeiten Lobbyisten der unterschiedlichsten wirtschaftlichen und ordnungspolitischen Interessen als
Leihbeamte und externe Mitarbeiter für Regierungsdiensstellen ebenso wie für Abgeordnete.
Und dort tun sie dann das Gleiche, was sie in Brüssel erst recht machen, nämlich im Sinne ihrer Auftraggeber an der Formulierung von
Gesetzen und Verordnungen mitwirken und die veröffentlichte Meinung beeinflussen.
Zur Lobbykontrolle
Aktuell wird von der Regierungspartei CDU für eine
neue Programmatik der Sicherheitspolitik geworben. Das Erfreuliche daran ist, dass die Veränderungen
seit 1989 anerkannt und in die Grundlagen der Sicherheitspolitik einbezogen werden.
Das Unerfreuliche: Wieder wird unter dem Deckmantel der Terrorabwehr die Verschmelzung von inner und
äußerer Sicherheit gefordert, sowohl auf der exekutiven Ebene (Militär und Polizei) als auch auf
der administrativen Ebene (Vorschlag Nationaler Sicherheitsrat). Das macht hellhörig:
Zwangsläufig bringen diese Strukturveränderungen wieder Ausweitungen der
Geheimhaltung mit sich, die weiter zur Tendenz beitragen, den nicht demokratisch legitimierten Griff
nach Einfluss weiter zu institutionalisieren.
CDU/CSU Strategiepapier: Sicherheitsstrategie für Deutschland
Das erste politische Interesse richtete sich bis 1989/90 immer auf die Verhinderung bzw. Abwehr einer irgendwie gearteten Gefährdung des status quo insgesamt durch Einsatz von atomaren, chemischen, biologischen Massenvernichtungsmitteln aus der Blockkonfrontation heraus.
Seit der Durchsetzung der politischen, ökonomischen und kulturellen Niederlage des Modells UDSSR und ihrer Bündnispartner vollzog sich Auflösung der bipolaren Konfrontationslage zugunsten einer multipolaren Konfliktlage in der die Schutzmacht des westlichen Blocks, die USA, ihren universalen Vorherrschaftsanspruch klar und aggressiv einfordert. Aktuell gelten 3 Konfliktformen als primäre Folgewirkung der Auflösung der bipolaren Bindung
Die Träger der Formen der letztgenannten Kriegsführung werden als Terroristen identifiziert und ihr Terrorismus kausal als Angriffe von politisch, sozial, kulturell oder religiös unterdrückter Minderheiten auf hegemoniale Ziele gedeutet.
Konflikte spielen aber natürlich nicht allein auf der geographischen Ebene von Nationalstaaten, sondern vor allem in der strukturellen Ebene der ökonomischen Verflechtungen; hier vollzieht sich bereits seit längerem die Privatisierung der Aussenpolitik. Es kann nämlich eine nahezu totale Instrumentalisierung dieser Aktivitäten durch mehr oder weniger übergreifende Interessenkartelle aus den üblichen Verdächtigen (Administrationen von USA, Israel, RUS, militärisch-technisch-finanzieller Komplex und organisierte Kriminalität) nachvollzogen werden.
Aus Beobachtungen an der bisherigen Praxis (Palestina, 9/11, Kaschmir, Bali, Nord-Ost) kann geschlussfolgert werden, was uns als Optionenraum in Zukunft erwartet:
Vorrangiges Problem aktuell ist innenpolitisch die Sicherstellung der Funktionsfähigkeit der Vorsorge- und Fürsorgezusagen und -institutionen für und in die Zukunft. Bedrohungspotentiale ergeben sich dabei vor allem aus der Delegitimierung und Diskreditierung des Wirtschafts-, Rechts-, Staats- oder Gesellschaftsmodells durch punktuelles oder globales Versagen der Vorsoge- oder Fürsorgezusagen oder wegen offensichtlichen Mangels an konsistenter Umsetzung von Ideologie in institutionelle Strukturen.
Destabilisierung des europäischen Föderalsystems durch beschleunigtes Wachstum parallerler Strukturen organisierter Kriminalität in der EU wie ausserhalb Destabilisierung des europäischen Föderalsystems durch beschleunigtes Wachstum parallerler Strukturen in transnationalen Corporationen bei gleichzeitigem Versagen der Erfolgszusage, Gefahr der politisch-ökonomisch/finanzpolitischen Erpressung durch transnationale Corporationen.
„The most obvious influence is through money, changing hands both above and below the table […] Beyond the reach of law, however, is the ability of wealth to subvert true public discourse by creating an artificial realm of media discourse, in which the honest reporters of unpleasant truths are marginalized and sometimes lose their jobs.“
Peter Dale Scott
The Road to 9/11. Wealth, Empire and the future of America. Berkeley 2007. S. 10